Wir alle sind Osterzeugen

Wer redet denn heute noch vom Glauben? Wer will noch etwas über die Auferstehung sagen? Fragen danach sind unangenehm und peinlich, denn sie verlangen nach einem Bekenntnis - und das sind wir niemandem schuldig. Nein, damit soll uns niemand zu nahe kommen.

Jesus ist den Menschen nahegekommen - aber das ist schon lange her. Sein Leben lang hat er Nähe zu den Menschen gesucht. Menschensohn nannte man ihn deshalb, Bruder und Freund. Doch dann kam das Ende und alle sind auf Distanz gegangen, haben sich zurückgezogen, keiner sollte ihnen zu nahe kommen.

Der Auferstandene hat wieder ihre Nähe gesucht, hat die Beziehung wieder aufgenommen. Auch die, welche Abstand gehalten, haben diese neue Nähe erfahren. Das haben sie dann weiter gesagt. Nur dieses, ohne einen Beweis, ohne logische Herleitung, ohne 100% wasserdichte Begründung: Wir können nur weitergeben, was wir selbst empfangen haben. Ihr müsst diesem Zeugnis Glauben schenken - oder eben nicht. Mehr aber können wir euch nicht anbieten.

Bis heute ist dies so geblieben. Wir können nicht über die Auferstehung diskutieren. Wir können sie nicht beweisen, aber auch nicht abstreiten. Wir können nur bekennen: Ich glaube, dass Christus auferstanden ist - für mich.

Wir sind Zeugen dieser Auferstehung, nicht weil wir dabei gewesen wären, nein, sondern weil sie wirksam an uns ist. Dass wir zweifelhafte Zeugen sind, das wissen wir ja auch. Da schlagen wir eher die froh machende Botschaft in den Wind und glauben windigen Fakten und Wahrheiten. Doch wir sind Zeugen der Auferstehung, so zweifelhaft, aber auch so glaubwürdig wie es die ersten Christen waren. Denn wir berufen uns dabei auf die, die es uns weitererzählt haben, die selbst Zeugen waren: Eltern, Lehrer, Freunde und vielleicht auch Fremde. Wir können auch heute nur glauben und bekennen, weil wir im Zusammenhang dieser Tradition stehen. Ohne Geschichte des Christentums, das so zwiespältig ist wie seine Zeugen, gibt es keine Verkündigung. Wir können nicht im Jahre 33 anfangen, wie es manche kleinen christlichen Gruppen immer wieder versuchen. Wir können auch die Geschichte nicht unterschlagen, als ob es bei uns erst 1517 mit der Reform Martin Luthers losginge. Die ganze Tradition, dazu unsere Erfahrung, die wir mit dem Auferstandenen machen, macht die Auferstehung erst wahr - für uns.

Die, die das nicht glauben wollen, haben es schon immer nicht geglaubt. Auferstehung gibt es nicht objektiv, sondern nur subjektiv, ganz persönlich für Sie, für mich. So gibt es nur eine Möglichkeit das Ereignis von Ostern zu verstehen: dass wir es uns immer wieder sagen lassen, dass wir hören, erstaunt und verwundert sind, und dass wir davon reden, von unserem Staunen und unserer Verwunderung - öffentlich.

Wolfgang Salzer