Labyrinth_1_klHinter dem Altarraum befindet sich im Garten  ein begehbares  Labyrinth.

Es wurde von Frau Veronika Komuczky entworfen und lädt zur Meditation ein.

 

 


Veronika Komuczky

Das Labyrinth der Evangelischen Pfarrgemeinde Wiener Neustadt

Unser Labyrinth

Es ist nach der mittelalterlich-christlichen (gotischen) Grundform mit 7 Umgängen gestaltet. Das Kreuz wird in dieser Form besonders hervorgehoben. Die Anordnung der Wege wird am Kreuz ausgerichtet. So ist der Ort, an dem es liegt, nicht zufällig gewählt: in der gedachten Verlängerung des Kirchenschiffes, der Eingang genau hinter dem Altar. Das Altarbild kann auch als offenes Grab Christi gedeutet werden - würde man hindurch schreiten, stünde man genau am Eingang des Labyrinths.

Das Labyrinth - ein uraltes Symbol vieler KulturenSchule_10_-_11_08_068

Die Geschichte des Labyrinths ist so lange und seltsam wie sein verschlungener Weg. Es gehört zu den ältesten Symbolen der Menschheit, man findet es überall auf der Welt in fast allen Kulturen: In Felsen oder Ton geritzt, auf Keramik gemalt, in alten Handschriften, Tempelverzierungen, in Moscheen geschnitzt, in Kathedralen als Bodenmosaike, in den Rasen gestochen, aus Pflanzen geformt, ...
Das Symbol erfährt heute eine Renaissance.

Was ist ein Labyrinth eigentlich?

Ein Labyrinth beschreibt den größtmöglichen Weg auf kleinstmöglichem Raum. Ursprünglich im Wesentlichen zeigt es immer die gleiche Form: Von einem Kreuz ausgehend werden anfangs 7, später mehrere Kreuze gezogen, die einen verschlungenen Weg bilden. Dieser Weg hat keine Abzweigungen und bildet keine Sackgassen oder Irrwege. Es führt hin und her, biegt nach außen oder innen ab, die Gehrichtung muss ständig geändert werden, man gelangt schließlich zur Mitte. Dieses Zentrum ist das Ende des Weges. Dort ist der Ort der Umkehr, der Wandlung. Man geht zwar denselben Weg wieder zurück, doch als Verwandelte/r.


Schule_10_-_11_08_073Bedeutung

Das Labyrinth gilt als Symbol des Lebensweges, als Erfahrungssymbol. Das Ziel ist der Weg auf der Suche nach sich selbst.

Diese Grunderfahrung wird am stärksten beim Gehen spürbar: Wer das Labyrinth betritt, hat das Ziel bereits vor Augen. Doch der Weg führt um die Mitte herum, sogar immer weiter weg, nur durch Wendungen und Änderungen der Blickrichtung kann der Weg fortgesetzt werden. Langsam stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch auf dem richtigen Weg ist, ob es noch sinnvoll ist weiter zu gehen. Irgendwann gelangt man auch fast dorthin, wo man aufgebrochen ist. Kein Fortschritt ist zu erkennen. Aber dann biegt der Weg wieder zur Mitte, unvermutet ist man am Ziel.

Es gibt keine Abkürzungen, nichts kann ausgelassen oder übersprungen werden – ein Hinweis, dass der Weg des Menschen zur eigenen Mitte ein anspruchsvoller Weg ist. Der Mensch muss es mit all seinen Wendungen und in seiner ganzen unbekannten Länge durchlaufen. Auch wenn es im Leben Unvollkommenheit, Leid, Entfremdung, Verwirrung, Erfolglosigkeit, Durststrecken gibt, ist das Labyrinth eine Ermutigung, eine Einladung sich auf den Weg zu machen, zu gehen und weiter zu gehen, weil es ein Ziel gibt: Am Ende des Weges wartet die Mitte.

Die Geschichte unseres Labyrinths

Lange schon hat mich dieses uralte Kultursymbol fasziniert, denn in ihm werden in einer verborgenen, eben symbolhaften Sprache viele Lebenserfahrungen ausgedrückt, in denen sich jeder wieder finden kann. Mein erstes Labyrinth – dem bald andere folgten - war auf einer Plane gestaltet und fand vielseitige Verwendung im Religionsunterricht, aber auch bei Gemeindeveranstaltungen, zuerst v. a. in der Kinder- und Jugendarbeit. Es dauerte nicht lange, bis die Faszination, die von diesem Symbol ausgeht, auch andere ansteckte. So stieß die Idee und der Vorschlag in unserem Pfarrgarten ein für alle zugängliches Labyrinth zu errichten auf Wohlwollen und Unterstützung.

Nach einer zweijährigen Planungsphase konnte dann endlich am Pfingstsonntag 2004 der Spatenstich den Bau einleiten. Anfang Juni waren die Platten verlegt und das Gras wurde gesät. Die Eröffnungsfeier fand am 2. Okober 2004 in Verbindung mit dem Erntedankfest statt. Neben Superintendenten Paul Weiland, der die Eröffnung vornahm, durften wir auch FI Prof. Karl Schiefermair begrüßen. In ökumenischer Verbundenheit folgten Vertreter der Römisch-katholischen Kirche unserer Einladung; auch die Vertreter der Stadtgemeinde fanden anerkennende Worte.

 

Ein Angebot Schule_10_-_11_08_095

Den Zugang zu unserem Labyrinth wollen wir nicht nur den Mitgliedern unserer Pfarrgemeinde offen halten. Jeder soll seine Erfahrungen damit machen und es auf seine Weise nützen können. Eine Projektmappe mit einer Zusammenstellung von Informationen, Anregungen und Vorschlägen, wie man das Labyrinth nutzen kann, liegt im Pfarramt auf.

Natürlich sind wir auch stolz, dass das erste „evangelische“ Labyrinth sich in unserem Pfarrgarten befindet. Es lädt ein, begangen zu werden. Wir freuen uns auf Ihren/Euren Besuch!