Fragen und Antworten um unseren Kirchenbeitrag

Sicher gibt es viele Fragen und zum Thema Kirchenbeitrag. Aber nicht alle Fragen lassen sich mit ein paar wenigen Sätzen beantworten. So muss über dieses Thema weiterhin gesprochen werden. Wie wichtig ist der Kirchenbeitrag für jeden evangelischen Christen, wie wird der Beitrag in unserer Kirche verwendet? Bitte suchen Sie das Gespräch mit uns. Wir wollen das Thema Kirchenbeitrag sehr transparent gestalten.

In der Bibel steht nichts vom Kirchenbeitrag!

Welche Gesetze regeln die Einhebung des Kirchenbeitrages?

Wer schreibt den Kirchenbeitrag vor?

Wer ist beitragspflichtig?

Ich brauche zum Glauben keine Kirche – ich zahle also auch keinen Beitrag!

Ich lehne die Kirche als Institution ab. Dafür will ich nichts zahlen!

Warum gibt es andere Religionsgemeinschaften, die keinen Beitrag verlangen?

Wie wird unser Kirchenbeitrag berechnet?

Welche Einkommen werden für die Berechnung des Kirchenbeitrages herangezogen?

Wie wird Ehegatten der Kirchenbeitrag vorgeschrieben?

Wie werden Bezieher von Ausgleichszulagen veranlagt?

Was ist eine Gemeindeumlage?

Welche Freibeträge werden berücksichtigt?

Gibt es Ermäßigungen bei besonderen Belastungen?

Warum kann ich die Höhe nicht selbst bestimmen?

Kann gegen den Kirchenbeitragsbescheid Einspruch erhoben werden?

Wann ist der Kirchenbeitrag fällig?

Die Kirche ist reich genug! Ist der Kirchenbeitrag wirklich notwendig?

Ohne Kirchenbeitrag gäbe es weniger Austritte!

Können Kirchenbeitragsschulden eingeklagt werden?

Ich bin nie der Kirche beigetreten. Bei der Taufe wurde ich nicht gefragt!

Dürfen Angaben weitergegeben werden?

Kann der Kirchenbeitrag von der Steuer abgesetzt werden?

 

 

In der Bibel steht nichts vom Kirchenbeitrag!

Natürlich stammt der Ausdruck „Kirchenbeitrag” aus späteren Zeiten. Doch schon zur Zeit des Alten Testamentes gibt es den „Zehnten”, Abgaben mit denen der Tempeldienst, aber auch soziale Ausgaben, finanziert wurden. Die ersten Christen hatten eine gemeinsame Kasse. Von Anfang an leisteten die Christen einen materiellen Beitrag für ihre Glaubensgemeinschaft. Unser Kirchenbeitrag ist eine zeitgemäße Form dieser Hilfeleistung.

 

 

Weiche Gesetze regeln die Einhebung des Kirchenbeitrages?

Das Protestantengesetz von 1961. Danach ist die Evangelische Kirche berechtigt, von ihren Angehörigen Beiträge zur Deckung ihres Aufwandes einzuheben. Daneben sind es noch die Kirchenverfassung von 2005 und die Kirchenbeitragsordnung. Diese beiden Gesetze liegen zur Einsicht im Pfarramt auf.

 



Wer schreibt den Kirchenbeitrag vor?

Die Pfarrgemeinden sind namens der Evangelischen Kirche verpflichtet, Kirchenbeiträge vorzuschreiben und einzuheben. Verantwortlich für die Beitragseinhebung ist das Presbyterium der Gemeinde.

 

 

Wer ist beitragspflichtig?

Jedes Mitglied einer evangelischen Kirche im In- oder Ausland, das seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich hat, ist beitragspflichtig.

 

 

Ich brauche zum Glauben keine Kirche – ich zahle also auch keinen Beitrag!

Damit wird sogar ein Kirchenaustritt gerechtfertigt. Aber lassen sich christlicher Glaube und Kirche wirklich auseinanderreißen? Der Glaube an Christus war nie eine Privatsache, sondern von Anfang an Gemeinschaftssache.

Ohne Kirchen gibt es keine Glaubensverkündigung, keine Seelsorge, keine christlichen Feiertage, keinen Religionsunterricht ... Wo die christliche Gemeinschaft geschwächt wird, verkümmert unser Glaube und die Nächstenliebe, oft zählen dann nur noch die eigenen Vorteile.

 

 

Ich lehne die Kirche als Institution ab. Dafür will ich nichts zahlen!

Keiner sagt: „Ich liebe den Wein, aber ich lehne Fässer, Krüge, Gläser ... ab.” Wer Wein lagern und trinken will, braucht auch Gefäße.

So ähnlich ist das auch mit dem Glauben und den Kirchen. Nicht alles in den Kirchen ist in Ordnung, einiges muss verbessert werden, aber sie sind unverzichtbar, damit die Glaubensbotschaft nicht versickert, sondern weitergegeben werden kann. Wie jede große Gemeinschaft brauchen auch die Kirchen stabile Strukturen.

 

 

Warum gibt es andere Religionsgemeinschaften, die keinen Beitrag verlangen?

Nur die anerkannten Religionsgemeinschaften dürfen einen Beitrag erheben. Alle anderen größeren oder kleineren Gruppen erbitten von ihren Glaubensgenossen eine Spende. Diese „freiwilligen” Spenden sind höher als unser Kirchenbeitrag, weil davon häufig das Seelenheil abhängig gemacht wird.

 

 

Wie wird unser Kirchenbeitrag berechnet?

Für die Berechnung des Kirchenbeitrages gibt es eine einfache Grundformel; sie lautet:

Der Kirchenbeitrag beträgt 1,5% des Einkommens minus 44,00 €

Gilt das Vermögen als Beitragsgrundlage, wird von diesem 6 Promille als Kirchenbeitrag vorgeschrieben.

 

 

Welche Einkommen werden für die Berechnung des Kirchenbeitrages herangezogen?

Unser Kirchenbeitrag wird nach dem Einkommen und nach dem Vermögen berechnet. In erster Linie ist das Einkommen die Beitragsgrundlage. Entspricht das Einkommen nicht dem angemessenen Unterhalt, so wird der Kirchenbeitrag nach dem Vermögen berechnet. Ist das auch nicht möglich, ist der Unterhaltsanspruch bzw. der Lebensaufwand die Beitragsgrundlage.

Als Einkommen ist grundsätzlich der Gesamtbetrag aller Einkünfte aus verschiedenen Einkunftsarten zu verstehen, im allgemeinen das zu versteuernde Einkommen.

Als Beitragsgrundlage nach dem Vermögen gilt der Einheitswert aus Grundvermögen, aus land- und forstwirtschaftlichem Vermögen oder aus Betriebsvermögen.

Als Beitragsgrundlage nach dem Unterhaltsanspruch wird zur Berechnung des Kirchenbeitrages ein Drittel des Einkommens des unterhaltspflichtigen Ehegatten angenommen. Dies gilt auch, wenn der Ehegatte keiner Kirche angehört.

Zum Lebensaufwand gehören alle Aufwendungen des Beitragspflichtigen für seinen Haushalt und seine Lebensführung. Diese Beitragsgrundlage wird mit mindestens 744,00 € monatlich angenommen.

 

 

Wie wird Ehegatten der Kirchenbeitrag vorgeschrieben?

Evangelische Ehegatten werden gemeinsam veranlagt. Haben beide Ehegatten ein Einkommen oder Vermögen, so wird für jeden der beiden Ehegatten der Betrag nach seinen Einkommen oder Vermögen vorgeschrieben.

Ist nur ein Ehegatte Angehöriger unserer Kirche, gilt:

Beziehen beide Ehegatten Einkünfte, so entrichtet der evangelische Gatte seinen Kirchenbeitrag nach seinem Einkommen oder Vermögen.

Ist der evangelische Gatte Alleinverdiener, so entrichtet er den Beitrag nach seinem Einkommen. Von seinem Kirchenbeitrag kann er den Betrag abziehen, den der nichtevangelische Gatte nachweislich an seine Kirche leistet. Doch darf dieser Abzug die Hälfte des vorgeschriebenen Beitrages nicht übersteigen.

Ist der evangelische Gatte ohne Einkommen oder Vermögen, gilt als Beitragsgrundlage der Unterhaltsanspruch (siehe oben). Falsch ist eine Halbierung, Drittlung oder andere Teilung des Kirchenbeitrages des unterhaltspflichtigen Ehegatten.

 

 

Wie werden Bezieher von Ausgleichszulagen veranlagt?

Auch die Ausgleichszulage ist nach den Bestimmungen ein steuerliches Einkommen.

Eine Befreiung vom Kirchenbeitrag ergibt sich nur bei solchen Bezügen, die ausdrücklich vom Gesetz her Steuerfreiheit genießen (z.B. Unfallrente, Kriegsopferrente, Hilflosenzuschuss).

 

 

Was ist eine Gemeindeumlage?

Die Pfarrgemeinden dürfen zur Deckung ihrer örtlichen Bedürfnisse Zuschläge zum Kirchenbeitrag einheben. Diese Zuschläge werden Gemeindeumlage genannt.

Solche Zuschläge müssen von der Gemeindevertretung beschlossen werden. In unserer Gemeinde beträgt die Umlage 15% des Kirchenbeitrages.

Im Sinne der staatlichen Rechtsvorschriften ist auch die Gemeindeumlage Kirchenbeitrag.

 

 

Welche Freibeträge werden berücksichtigt?

Freibeträge werden grundsätzlich nur berücksichtigt, wenn das Einkommen oder Vermögen angegeben wurde.

In diesem Fall wird von der Beitragsgrundlage abgezogen: Alleinverdienerfreibetrag 1.000,00 € und Kinderfreibetrag 1.450,00 € für jedes Kind, für das dem Beitragspflichtigen Familienbeihilfe zusteht.

 

 

Gibt es Ermäßigungen bei besonderen Belastungen?

Das Presbyterium ist berechtigt, bei außergewöhnlichen Belastungen den Kirchenbeitrag herabzusetzen. Solche Belastungen können sein: Hausstandsgründungen, getrennter Haushalt, Mehraufwand durch Krankheit, Tod eines Angehörigen, Internatskosten für Kinder und anderes.

Solche Ermäßigungen werden aber nur berücksichtigt, wenn dadurch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Beitragspflichtigen vermindert ist. Auf solche Ermäßigungen hat der Beitragspflichtige keinen Rechtsanspruch.

 

 

Dürfen Angaben weitergegeben werden?

Alle Angaben über Vermögen oder Einkommen dürfen nur den mit der Bearbeitung und Überprüfung beauftragten Mitarbeitern zugänglich sein, diese sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

 

 

Warum kann ich die Höhe nicht selbst bestimmen?

Tatsache ist: Fast alle, die ihre Beitragshöhe selbst bestimmen wollen, möchten auch weniger zahlen. So stellt sich die Frage: Wer bezahlt den Rest?

Wenigstens die Bezahlung der Grundkosten unserer kirchlichen Arbeit soll sozial-gerecht auf alle verteilt werden und nicht dem Gutdünken des einzelnen überlassen bleiben.

 

 

Kann gegen den Kirchenbeitragsbescheid Einspruch erhoben werden?

Das Rechtsmittel gegen den Bescheid ist die Berufung. Diese muss innerhalb von vier Wochen nach Zustellung des Kirchenbeitragsbescheides eingebracht werden.

Sie kann schriftlich oder mündlich dem Presbyterium bekanntgegeben werden. Notwendige Belege müssen der Berufung beigelegt sein.

Wird die Berufung abgelehnt, kann sich der Betroffene über die Superintendentur an den Superintendentialausschuss wenden.

 

 

Die Kirche ist reich genug! Ist der Kirchenbeitrag wirklich notwendig?

Unsere Evangelische Kirche finanziert ihre Aufgaben zu rund 70% durch den Kirchenbeitrag. Die restlichen 30% werden durch den Religionsunterricht der Pfarrerinnen und Pfarrer gedeckt.

 

 

Wann ist der Kirchenbeitrag fällig?

Der Kirchenbeitrag ist innerhalb von sechs Wochen nach Zustellung fällig. Nicht am Ende des Jahres.

Auf Wunsch kann beim Presbyterium Ratenzahlung des Beitrages beantragt werden.

 

 

Ich bin nie der Kirche beigetreten. Bei der Taufe wurde ich nicht gefragt!

Unsere Kindertaufe ist dann gerechtfertigt, wenn es den Eltern und Paten wichtig ist, dass ein Mensch in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wird. Vater und Mutter treffen auch viele andere Entscheidungen für ihr Kind oder - je nach Altersstufe - mit ihrem Kind.

Ab dem 14. Lebensjahr wird ein junger Mensch religionsmündig und kann über seine weitere Zugehörigkeit frei entscheiden. Auch der Kirchenbeitrag ist jedes Jahr eine Anfrage, ob die Grundentscheidung für die Kirche noch aufrecht ist.

 

 

Können Kirchenbeitragsschulden eingeklagt werden?

Die Pfarrgemeinden sind verpflichtet, fällige Kirchenbeiträge vor Eintritt der Verjährung (spätestens 30 Monate nach der Vorschreibung) gerichtlich geltend zu machen, d.h. die Mahnklage einzubringen.

 

 

Ohne Kirchenbeitrag gäbe es weniger Austritte!

Sicher würde es ohne einen Pflichtbeitrag weniger formelle Austritte geben. Aber würde sich bei Wegfall dieser Pflicht auch die Liebe zur Kirche erhöhen? Der jährliche Zahlschein für den Kirchenbeitrag zwingt zur Frage: Wie halte ich es mit dem Glauben? Ist mir die Arbeit meiner Kirche wenigstens diese Summe wert?

In sozialen Härtefällen kann der Beitrag vermindert werden. Aus finanziellen Nöten muss daher niemand aus der Kirche austreten. Wer evangelisch sein will, kann sich das sicher leisten.

 

 

Kann der Kirchenbeitrag von der Steuer abgesetzt werden?

Kirchenbeiträge sind im Höchstausmaß von jährlich 200,00 € steuerlich als Sonderausgaben abzugsfähig. Bei Lohnsteuerpflichtigen im Wege des Jahresausgleichs. Ein Teil Ihres Kirchenbeitrages erhalten Sie daher vom Staat in Form einer Steuerermäßigung wieder zurück.